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Klinik-Management5 min Lesedauer

Vier von fünf ausländischen Ärztinnen und Ärzten arbeiten im Krankenhaus

79 Prozent der ausländischen Ärzt:innen arbeiten stationär, im Gesamtdurchschnitt sind es 52. Was die neue Ärztestatistik für die Personalplanung von Kliniken bedeutet.

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MediSteg Team
06. August 2026

Vier von fünf ausländischen Ärztinnen und Ärzten arbeiten im Krankenhaus

Wenn nachts um drei die Notaufnahme eines mittelgroßen Krankenhauses besetzt ist, dann häufig von einer Ärztin oder einem Arzt, die oder der vor wenigen Jahren noch nicht wusste, wie die Approbationsbehörde des eigenen Bundeslands überhaupt heißt. Die Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31.12.2025 macht aus dieser Beobachtung eine belastbare Zahl. Und sie zeigt ein Muster, das für Klinikvorstände mehr hergibt als die reine Gesamtsumme.

71.480, und die Klinik trägt den größten Teil

71.480 Ärztinnen und Ärzte ohne deutschen Pass waren Ende 2025 in Deutschland berufstätig, mehr als viermal so viele wie 2007. Ihr Anteil an allen berufstätigen Ärzt:innen ist im selben Zeitraum von 5 auf 16 Prozent gestiegen. Zählt man diejenigen dazu, die inzwischen eingebürgert sind, kommt man laut Destatis auf 26 Prozent aller 2025 berufstätigen Ärztinnen und Ärzte, die zugewandert sind.

Die Zahl, die über den Klinikalltag mehr sagt als die Gesamtsumme: 79 Prozent der ausländischen Ärzt:innen arbeiten stationär. Über alle berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland hinweg liegt dieser Anteil bei 52 Prozent. Ambulant tätig sind nur 13 Prozent der ausländischen Kolleg:innen, gegenüber 39 Prozent im Gesamtdurchschnitt.

Wo der Weg in die ambulante Versorgung endet

Der wichtigste Grund für diesen Unterschied liegt in der Weiterbildung. Wer die Approbation erhält, ist damit noch nicht Facharzt, und die Facharztweiterbildung dauert je nach Gebiet mindestens fünf Jahre. Weiterbildungsermächtigungen gibt es zwar auch im ambulanten Bereich, in Praxen und MVZs, sie sind dort aber ebenso wie in der Klinik an eine ermächtigte Person und ein bestimmtes Gebiet gebunden, und sie decken meist nur zwei bis drei Jahre ab. Selten trägt ein ambulanter Standort die volle Weiterbildungszeit allein.

Das führt zu einem Muster, das viele Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten kennen: Sie wechseln während der Weiterbildung mindestens einmal die Stelle, weil die Ermächtigung ihres Hauses ausläuft oder die geforderten Abschnitte dort nicht abgebildet sind. Für internationale Ärztinnen und Ärzte wiegt jeder dieser Wechsel schwerer als für ihre deutschen Kolleg:innen: Er betrifft Wohnsitz, Familie und je nach Status auch die Aufenthaltserlaubnis.

Hinzu kommt die Niederlassungshürde. Eine eigene Praxis erfordert zusätzlich einen Kassensitz, Kapital und ein Niederlassungsverfahren, das in den meisten Fällen erst nach Jahren im System realistisch wird. Beides zusammen macht die Klinik zum naheliegenden ersten, und für viele auch dauerhaften, Einstieg ins deutsche Gesundheitssystem.

Für Kliniken bedeutet das: Sie sind nicht nur ein Ausbildungsort für internationale Fachkräfte, sie sind der Ort, an dem sich diese Fachkräfte langfristig binden lassen, wenn der Einstieg gut begleitet wird. Wer eine Weiterbildungsermächtigung vorhält, hat dabei ein Argument, das über das Gehalt hinausgeht. Und wer offen sagt, welche Abschnitte das eigene Haus abdeckt und welche nicht, verliert weniger Leute an unangenehme Überraschungen im dritten Jahr. Damit holen Kliniken sich potenziell langfristig Oberärzte ins Haus, die als Assistenzärzte einmal angefangen haben.

Saarland 24 Prozent, Schleswig-Holstein 8

Der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte verteilt sich regional sehr unterschiedlich. Im Saarland lag er 2025 bei 24 Prozent, in Schleswig-Holstein bei 8 bis 10 Prozent. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert liegt damit etwa der Faktor drei. Auch Bremen, Hamburg, Berlin und Sachsen-Anhalt liegen deutlich über dem Bundesschnitt.

Das lässt sich nicht allein mit Grenzlage oder Ballungsraum erklären. Wo eine Region seit Jahren aktiv internationale Ärzt:innen anspricht, ihre Anerkennungsverfahren begleitet und Netzwerke aus bereits angekommenen Kolleg:innen aufgebaut hat, wächst der Anteil weiter. Wo das nicht passiert, bleibt er niedrig, unabhängig davon, wie akut der Personalbedarf vor Ort tatsächlich ist. Die Verteilung ist über weite Strecken das Ergebnis von Rekrutierungsentscheidungen der letzten Jahre.

Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte je Bundesland


Die Herkunftskarte hat sich verschoben

Syrien liegt mit 7.330 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten mittlerweile deutlich vor Rumänien (4.241) und der Türkei (3.142) an der Spitze der Herkunftsländer, gefolgt von Russland, Österreich, Griechenland und der Ukraine. Diese Größenordnung erklärt sich vor allem dadurch, dass ein Teil der ab 2015 nach Deutschland gekommenen syrischen Ärzt:innen die mehrjährigen Anerkennungsverfahren inzwischen durchlaufen hat und heute regulär approbiert arbeitet.

Gleichzeitig bleibt die EU-Freizügigkeit ein eigener, schnellerer Kanal. Rumänien, Österreich, Griechenland, Italien und Polen tauchen alle unter den zwölf größten Herkunftsländern auf, mit deutlich kürzeren Anerkennungswegen als für Ärzt:innen aus Nicht-EU-Staaten. In der Praxis laufen für Kliniken also zwei Rekrutierungslogiken parallel: eine schnelle innerhalb der EU und eine langsamere, aber ebenso relevante außerhalb.

Herkunftsländer internationaler Ärztinnen und Ärzte in Deutschland


Was das für Kliniken bedeutet

Die verbreitete Erzählung vom „Ärztemangel" beschreibt die Lage nur zur Hälfte richtig. Es gibt genug internationale Ärztinnen und Ärzte, die den Weg nach Deutschland gehen wollen und gehen. Die eigentliche Frage ist, welche Klinik sie erreicht, und wie schnell.

Wir gehen diesen Weg mit unseren Klinikpartnern in einer festen Reihenfolge: Sprache zuerst, Anerkennung zweitens, die Klinik drittens. Diese Reihenfolge entscheidet darüber, wie lange es bis zur Approbation dauert, und ob eine Ärztin oder ein Arzt nach der Ankunft bleibt oder weiterzieht, an die Klinik, die von Anfang an besser begleitet hat.

Der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte ohne deutschen Pass wird weiter wachsen. Ein wachsender Teil von ihnen wird dabei irgendwann einen deutschen Pass haben und aus der Statistik „ausländisch" verschwinden, obwohl die Herkunfts- und Anerkennungsgeschichte dieselbe bleibt. Für Kliniken ist das kein einmaliger Engpass, der sich irgendwann von selbst löst, sondern ein dauerhafter Teil der Personalplanung.

Quelle für alle Zahlen: Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025; ergänzende Auswertungen des Statistischen Bundesamtes; veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt, Ausgabe 15/2026.


Tätigkeitsbereiche internationaler Ärztinnen und Ärzte in Deutschland



Wachstum der internationalen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland


Über MediSteg

MediSteg vermittelt internationale Ärztinnen und Ärzte an deutsche Kliniken, Krankenhäuser und MVZs, mit einem klaren Prinzip: Sprache zuerst, Anerkennung zweitens, die Klinik drittens. Statt Lebensläufe durchzureichen, begleiten wir den gesamten Weg, von der Sprachprüfung über das Approbationsverfahren bis zum ersten Tag auf Station. Möglich wird das auch durch eigene Software und KI-gestützte Verfahren, mit denen wir diesen Prozess präziser und effizienter gestalten. Für Kliniken und Krankenhäuser bedeutet das planbare Besetzung statt langer Vakanzen, für die Ärztinnen und Ärzte einen Einstieg, bei dem sie nicht allein gelassen werden. Ärztevermittlung, die wirkt.


Artikel veröffentlicht; 06.08.2026; Update am 13.08.2026



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